Leise und leicht verträumt erklingt die Melodie von “A Story Of Boy Meets Girl”. Vor mir zeichnet sich aus feinen dunklen Linien, wie durch freie Hand geführt, ein genauso verträumtes Bild von einer Stadt, einem einsammen Baum und einer Parkbank. Doch dieses Bild hat was schwermütiges. Und die wunderbar tiefe, ruhige Stimme des Erzählers erklärt mir mit einfachen Worten schon nach wenigen Sekunden, warum. “Dies ist kein Liebesfilm.”

Und dennoch ist es ein Liebesfilm. Und für mich persönlich, der wohl schönste und vorallem ehrlichste Film, der sich mit dem Thema Liebe auseinander setzt.

Warum ich damals in meinem vorherigen Blog über einen Film wie “500 Days of Summer” schrieb und diesem Film wieder einen neuen Artikel widme, das kann ich euch nicht erklären. Doch Gründe warum mich dieser kleine Film so sehr berührt und eine so große Bedeutung für mich hat, die gibt es viele.
Als meine beste Freundin  oder meine Mutter sich diesen Film endlich ansahen, war das erste was sie sagten “Oh mein Gott, René, das bist du. Jetzt weiß ich warum du diesen Film so liebst.” Und ich muss zugeben: Ja, dieser Tom bin ich.

© Twentieth Century Fox

Doch denke ich was diesen Film so besonders macht ist nicht nur die gekonnt ungewöhnliche und ruhige Erzählweise sondern auch die Tatsache, dass sich irgendwie ein Jeder mit der Geschichte, den Personen und den vielen kleinen besonderen Momenten des Films auf eine gewisse Weise identifizieren kann. Man erkennt sich wieder, man fühl mit. Man verliebt sich und man leidet mit. Und am Ende bleibt doch ein großes Stück Hoffnung und Zufriedenheit im Herzen. Doch warum, das möchte ich noch nicht verraten. Ich schaue mir die letzten zwei Minuten des Films an, lausche dem Erzähler und sitze dann nur da, spüre diese innerliche Ruhe, Zufriendenheit und Gelassenheit und muss einfach lächeln.

Dass ist so überwältigend schön, dass ich in den stressigsten Momenten oder in Zeiten wo ich mir unnötig viele Gedanken mache, mir einfach diese zwei Minuten gönne und dann dem Abspann mit dem Song “She’s Got You High” lausche.

Aber liest selbst warum, und was diesen Film für mich so besonders macht….

“500 Days of Summer” ist eine Geschichte um einen Jungen namens Tom. Dieser Junge trifft zu Beginn des Films auf Summer, eine neue Kollegin ( wunderbar süß und zum Verlieben herrlich gespielt von Zooey Deschanel ). Er verliebt sich in diese doch ganz gewöhnliche Frau mit dem seltenen Summer-Effekt. Was folgt ist das Anschmachten und Gefühls-Wirr-Warr auf Entfernung und die ersten zögerlichen und unbeholfenen Kennenlern-Versuche bis es schlußendlich nach einer wunderbar in Szene gesetzten Karaoke-Nacht zum lang ersehnten Kuss im obligatorischen Kopierraum kommt. Bis hierhin scheint es sich um eine ganz gewöhnliche Liebesgeschichte zu handeln, wie wir sie aus vielen Hollywood-Filmen kennen.

Doch während der Großteil der Jennifer-Aniston-Screwball-Liebesfilme schnell wieder in der Versenkung verschwinden, wird dieser Film vielen Menschen ,selbst in ewigen Jahren, noch in Erinnerung bleiben. Es ist kein typischer Liebesfilm. Er zeigt uns das wahre Gesicht von Liebe. Liebe ist nicht immer einfach, sie nicht immer gerecht. Liebe ist sicherlich intensiv, warm, geborgen und behutsam und das sind nur wenige Worte die Liebe beschreiben. Liebe kann aber auch verletztend, einsam und missverstanden sein. Und all dies, zeigt uns dieser Film.

© Twentieth Century Fox

Im stetigen Wechsel zwischen Glück und Unglück wird uns Tom´s Leben 500 Tage lang geschildert. 500 Tage in denen Summer sein Leben immens beeinflusst. Joseph Gordon-Levitt spielt herrlich charmant und liebenswert Tom, in dessen Augen Summer seine einzig große und wahre Liebe ist. Während er zu Beginn des Films fest dieser Überzeugung ist, ist es um Summer ganz anders geschehen.
Summer glaubt nicht an die Liebe. Für sie ist Tom ein Mensch der ihr unheimlich viel bedeutet doch wofür sie ein Gefühl wie wahre Liebe einfach nicht aufbringen kann. Und dennoch verbindet beide eine sehr innige Beziehung. Und so leidet man schnell mit wenn Tom um die Gefühle von Summer kämpft, aber wiederum versteht man auch Summers Gefühlsleben, nur leider nicht ganz ihre Absichten.

Und so nickt man unbewusst wenn Tom in einer Szene ihr vorwirft “Du tust immer nur das, was dir gut tut”. Und dennoch kann man diesem Mädchen am Ende nicht böse sein. Ihre Gründe sind nachvollziehbar, so wie jeder der etwas melancholisch, mal romantisch in Szene gesetzten Momente des Films. Irgendwie hat man stetig das Gefühl, das alles auch auf diese Weise einmal erlebt zu haben. Entweder als Tom oder als Summer.

Unterstützt werden diese 500 Tage von einem Soundtrack der genauso gefühlvoll ist wie der ganze Film. Bekannte Indie-Größen wie The Smiths, Regina Spector oder Wolfmother, aber auch Simon and Garfunkel steuern Songs dazu bei, die tief unter die Haut gehen oder einem zum Lächeln und sogar Tanzen bringen.

© Twentieth Century Fox

Apropo “Tanzen”, ich will nicht allzuviel verraten, aber dieser Film beinhaltet eine Bollywood-angehauchte Tanzszene, die gewiss noch in die Filmgeschichte eingehen wird und jeden der sie sieht ein Strahlen in den Augen zaubert.
Überhaupt ist die Erzählweise so untypisch und dennoch nicht gewollt Independent-Like dass man sich ganz schnell in sie verliert. Man könnte leicht diesen Film in die Arthouse-Schublade drücken, aber das wäre verkehrt. Dieser Film wehrt sich auch charmant dagegen ohne wiederum Mainstream zu werden. Die erzählten Momente wechseln zwischen Anfang und Ende hin und her, zeigen glückliche Momente, um zugleich wieder Tom´s einsamme, verletzten Tage zu zeigen. Unterbrochen wird alles wie gesagt durch künstlerische Ideen wie beschriebener Tanzszene, einer Splitscreen-Szene die uns Realität und Erwartung schildert und einer Hommage an den französichen Film um diesen dann auch gleich wieder gewollt ins Lächerliche zu ziehen. Nein dieser Film will kein Arthouse sein, aber auch kein Mainstream und unter der Leitung von Newcomer-Regiseur Marc Webb ist es ihm auch gelungen.

“500 Days of Summer” ist ein Juwel. Ein Film der so seines Gleichen sucht. Er ist warm, herzlich, ehrlich, direkt, zauberhaft, liebenswert, traurig, romantisch und melancholisch zugleich und fühlt sich einfach wunderbar geborgen an. Ein Film den man so leicht nicht mehr vergessen wird. Ich werde es nicht. Dieser Film bedeutet mir sehr viel. Ich hab ihn nun 12 mal gesehen und ich hab sehr viel daraus gelernt. Auch über mein früheres Verhalten und mein jetziges Leben.

Und auch wenn dieser Artikel nun länger geworden ist, als gedacht, so hat dieser Film es verdient.

Hiermit beende ich nochmals diesen Artikel ein zweites mal. Bitte überseht die Grammatik-Fehler, geht heute in die Videothek, leiht euch diesen Film aus und sagt mir eure Meinung.